Ausflug Jedermänner 10 2015 Oberelsaß

Die Jedermänner im Nordelsaß

Ausflug vom 12 – 14 Oktober 2015

Montag, 12. Oktober 2015:

Zwei Kleinbusse, beladen mit 15 Jedermännern, machen sich am frühen Montagmorgen, bei kühlem aber recht freundlichem Wetter auf zu ihrem diesjährigen Ausflug, der das Nordelsaß um Saverne zum Ziel hat.

Um dem Verkehrschaos vor Karlsruhe zu entgehen, nehmen wir die Strecke über Germersheim und kommen gut voran. Später holen wir den entgangenen Lustgewinn dichten Verkehrs dadurch auf, dass wir durch Straßburg fahren um unser erstes Tagesziel „Marmoutier“ (Maursmünster) zu erreichen.

Hier erklärt uns eine flotte, recht zungenfertige Straßburgerin die große Klosterkirche, die zu den ältesten religiösen Bauten des Elsaß gehört. Besonders die romanische Westfasade mit drei Türmen und von allerhand Steinmetzkunst geziert, ist sehenswert.

Im Innern ist als Besonderheit eine als archäologisches Museum ausgebildete Krypta zu besichtigen und eine Silbermann-Orgel von 1709, auf der uns ein halbstündiges Konzert von guter Qualität geboten wird.

Das anschließende Mittagessen im nahen Hotel A la Couronne d’Or (Goldene Krone) ist absolut sein Geld wert.

Weiter geht es nun nach Saverne. Wir werdem von einer netten Eingeborenen erwartet, die uns ihre Stadt zeigt. Schwerpunkte bilden dabei die aus dem 12. Jh. stammende Kirche Notre Dame de Nativité und das große Rohanschloss. Interessant versteht unsere Führerin zu plaudern und bringt uns die bewegte Geschichte der Stadt nahe. Schön, dass sie dabei auch elsässer Dialekt benutzt.

Nach soviel Geschichtlichem soll nun aber auch die Technik zu ihrem Recht kommen. Wir fahren entlang des Rhein-Marne-Kanals nach Westen bis zum Schiffshebewerk Arzviller.

An ihrem oberen Ende wird diese Anlage perfekt touristisch genutzt, mit Absperrungen, Eintrittsgeldern usw. In 5 Minuten sei Feierabend, wird uns zunächst verkündet. Aber 15 Männer sind auch ein Wirtschaftsfaktor und so dürfen wir alles in Ruhe besehen. Wir haben auch das Glück, dass noch ein Boot hinabbefördert werden möchte. Das geht rasch. Kaum fünf Minuten später kann das Hausboot 45 m weiter unten seine Fahrt fortsetzen. 17 Schleusen werden durch dieses Bauwerk aus den 1960er Jahren erspart. Ursprünglich, wie die ganzen französichen Kanäle, für die Frachtschiffahrt gebaut, wird dieser Schrägaufzug heute fast ausschließlich von Sportbooten genutzt.

Nun aber kommt Sehnsucht nach dem Hotel auf. Glücklicherweise gibt es heute Navis. Über Phalsbourg geht es auf Nebenstraßen Dossenheim zu. Kurz vor dem Dorf führt eine schmale Straße 5 km durch den Wald zur alten Hunebourg, die einsam auf einem Berg liegend als Hotel genutzt wird.

Unsere Zimmer sind kleine Klausen ohne üppigen Komfort aber sauber und ausreichend. Zum Nachtessen treffen wir uns im Speisesaal und werden mit einem etwas ungewöhnlichen Essen aus Bohnengemüse, Nudeln und heißer Blutwurst satt gemacht. Rotwein gibt es bis zum Abwinken und die Unterhaltung läuft prächtig.

Dienstag, 13. Oktober 2015:

Nach grabesstiller Nacht setzen wir unser Programm etwas später als ursprünglich geplant fort. Zunächst fahren wir nach Neuviller. Hier zeigt uns der freundliche Küster Fink die große romanische Abteikirche zunächst von außen. Entgegen der vorherigen Ansage können wir das wegen Renovierungsarbeiten innen eingerüstete Gotteshaus aber doch betreten und die in gesondertem Raum ausgestellten Wandteppiche von 1504 besichtigen. Das Leben des hl. Adelphus von Metz wird auf langen, von den Nonnen der Abtei gewebten Teppichen dargestellt. Sie sind in der naiven Formensprache jener Zeit eine besondere Sehenswürdigkeit.

Anschließend besuchen wir die nur wenige 100 m entfernten St. Adelphuskirche aus dem 13. Jh. Da die Gebeine des Lokalheiligen zusammen mit anderen Reliquien in Neuviller vorgehalten wurden, war der Platz einst ein florierender Wallfahrtsort.

Lützelstein, heute La Petite Pierre, heißt die nächste Station. Zunächst gehen wir in den Hof des auf einem Felssporn liegenden und noch bewohnten Schlosses und genießen die gute Aussicht auf die nächste Umgebung. Dann geht’s ein Stück durch das alte Festungsstädtchen, bis wir das Hotel Aux Trois Roses (Drei Rosen) erreichen. Hier werden wir in schöner Umgebung sehr gut bewirtet.

Nur wenige Häuser entfernt liegt die alte Poststation. In diesem großen Gebäude hat sich ein älterer Künstler eingenistet, dessen ganze Leidenschaft Insekten und – wie seine Frau meint – Damen seien. Mit Pinsel, Schweißapparat usw. hat er monströse Insekten, verschiedene Tiere, gut proportionierte Damen und andere Fabelwesen geschaffen, die überall im Gebäude, in Hof und Garten umeinanderstehen.

Der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. Wir lassen uns Zeit zur Besichtigung. Nicht alles muß gefallen, aber amüsant ist es auf jeden Fall.

Noch ein Abstecher zu einem 500 J. alten Häuschen, errichtet für einen Menschen der aus Dreck Gold machen sollte und das jetzt eine Verkaufsausstellung beherbergt. Zum Glück ist heute geschlossen.

Weiter geht’s nun zum nächsten Ziel, dem einsam liegenden kleinen Dörfchen Graufthal. Entstanden ist es aus einem schon im 12. Jh. angesiedelten Kloster, von dem noch ein Kirchlein übrig blieb. Das Dorf wird überragt von einer steilen, rosafarbenen Sandsteinwand, in die hinein eine ganze Zeile Wohnhäuser gebaut scheinen. Tatsächlich sind es nur Vorderwände oder halbe Häuser. Der Rest ist Felsenhöhle. Die in auffällig grellem Blau gehaltenen Gebäude wurden z. T. noch bis 1958 bewohnt und können gegen Gebühr besichtigt werden. Verhindert wurde dies bei uns durch eine gewissen geistige Nähe zu den Schwaben.

Nach soviel Steinen verzichteten wir auf den letzten Programmpunkt des Tages, der uns noch auf eine Burg bringen sollte. Im Hotel dann etwas Körperpflege und schon wartet wieder das Abendessen.

Der Abend selbst gerät zu einer fröhlichen Angelegenheit. Im Speisesaal mit etwa 50 Gästen erscheint eine Trachtengruppe aus der näheren Umgebung. Es sind drei Musiker und etwa 12 – 15 Frauen und Männer aller Altersgruppen, die in der Tracht des Elsässischen Hanauerlandes auftreten und uns mit Tänzen und Gesangseinlagen angenehm unterhalten und auch immer wieder das Publikum mit einbeziehen.

Einer von uns hat dabei das Vergnügen, von einer kräftigen jungen Frau mit gewaltigem Balkon in Beschlag genommen zu werden. Da es sich um einen untadeligen Kameraden handelt, der sich sehr um die Wohlfahrt unserer Gruppe kümmert, gönnen ihm alle diese Vorzugsbehandlung ohne jeden Neid.

Mittwoch, 14. Oktober 2015:

Nach zwei Spätsommertagen ist es heute trübe. Es bleibt jedoch den ganzen Tag über trocken. Unsere erste Station ist Boxviller, einst Hauptstadt der Grafschaft Hanau-Lichtenberg.

Auch heute noch ist es ein reizvolles Städtchen voll mittelalterlichem Charme, mit vielen Fachwerkhäusern, engen Gässchen und pittoresken Szenen. Manches bedarf noch der Renovierung. Man sieht, die beste Zeit hat dieser absolut sehenswerte Ort hinter sich.

Von hier aus fahren wir zur Burg Lichtenberg, hoch über dem gleichnamigen Dorf. Diese mittelalterliche Burg wurde im 17. Jh. zur Festung ausgebaut und war Teil der nord-östlichen Befestigungslinie Frankreichs. Bei der Belagerung 1870 wurde die Anlage in Brand geschossen und ist heute noch überwiegend Ruine. In den letzten Jahren wurde mit viel Aufwand – wahrscheinlich haben wir auch mitbezahlt – größere moderne Räumlichkeiten in das alte Gemäuer hineingebaut. Man findet ein Museum, Theater- und Proberäume, Cafè, Büros usw. Recht chic gemacht.

Eine junge Dame, die hier ihren ständigen Arbeitsplatz hat, führt uns in angenehmer Weise durch die große Anlage und bleibt keine Antwort schuldig.

Etwas durchgefroren vom schneidigen Wind auf dem 450 m hohen Hügel fahren wir nach Wimmenau in das Hotel A l’Aigle (Zum Adler), wo wir in jeder Hinsicht vorzüglich aufgewärmt werden.

Den Heimweg machen wir über Hagenau und wieder Germersheim und erreichen fast fahrplanmäßig kurz nach 16.30 Uhr Graben-Neudorf.

In angenehmer Gesellschaft wurde uns ein vorzügliches Besichtigungsprogramm geboten, alles in einem Zirkel von 15 km (Luftlinie) um unser rustikales Hotel und hervorragend vorbereitet und geführt von Falk und Karl-Josef. Den beiden gebührt unser herzlicher Dank,

ebenso unseren umsichtigen und sicheren Fahrern Gerd und Eddi.

Alle freuen wir uns schon auf nächstes Jahr!

Graben-Neudorf, Oktober 2015

Alfred Metzger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.